Amed – den Lokals so nah

Kennt Ihr das, dass Ihr auf Reisen immer super gut schlafen könnt? Ich schlafe da immer viel tiefer und auch irgendwie besser (was mich manchmal schon wundert, denn die Matratzen sind ja nicht immer „besser“ und die Wärme ja oft auch ungewohnt). Trotzdem bin ich in Canggu eines Nachts wach geworden weil an meinem Arm, der aus dem Bett hing etwas an meiner Hand hoch krabbelte. Es war definitiv keine kleine Spinne sondern etwas größeres. Am nächsten Morgen musste ich über mich lachen, denn anstatt nachts nachzusehen, war ich so müde, dass ich meine Hand einfach nur „abschüttelte“ und sie unter meine Bettdecke nahm und sofort weiter schlief. Wer weiß, welcher Unbekannte da einen Schlafplatz in meinem Bett gesucht hatte…

Von Canggu ging es also weiter mit dem Taxi nach Amed. Während ich beim Frühstück saß, buchte ich mir ein Homestay für Amed. Diese Unterkunft stellte sich später wieder als absolutes Highlight meiner Reise da.

Die Taxifahrt dauerte 3 h, es waren 100 km und kostete mich 35 Euro. Welcome to Bali! Die Fahrt war wieder super interessant für mich, auf einer Insel entlang zu fahren, wo alles so „anders“ und spannend ist – die Vegetation, die Tempel, die Menschen, der Verkehr und die Westküste Balis. Mein Taxifahrer Dawi bot mir an überall da einen Stopp einzulegen, an dem ich Fotos machen möchte, denn ich berichtete ihm von meiner Reisefotografie. Dawi erzählte mir auch wieder viele neue Dinge über Bali. Wusstet Ihr zum Beispiel, dass trotz der vielen Reisterassen auf Bali, der Reis nicht ausreicht um die Bevölkerung damit zu versorgen? Stattdessen wird Reis auch aus Nachbarinseln wie Jawa importiert.

Angekommen im Homestay CEST BON CAFE bezog ich mein neues Zimmer und was soll ich sagen, es war die wohl schönste Aussicht von meinem Balkon während meiner gesamten Balireise. Den Rest des Tages machte ich eine riesengroße Wanderung durch den Ort, entlang am Strand, zwischen Feldern und immer im Blick den wunderschönen riesigen Vulkan Agung. Ich traf auf meiner Tour fast nur Balinesen. In meiner Unterkunft, die mit 4 Zimmern ausgestattet war, war ich auch die Einzigste. Aber wo waren die Touristen? Der Grund war der Vulkanausbruch vor einem Tag, viele verließen Amed deswegen. Der Vulkan brach seit 1963 nicht mehr aus. Doch während meiner Balireise gleich zweimal. Ich fühlte mich trotzdem sehr sicher in Amed und bin auch mit dem Wissen des Vulkanausbruchs dort hin gefahren. Wenn man sich den Vulkan genau ansah, sah man an 2-3 Stellen noch glühende Flächen. Während meiner Wanderung begleite mich Pogi, das war ein kleiner blonder Mischlingshund und am Ende meiner Tour auch mein persönlicher Beschützer, jeder der mir entgegenkam wurde angebellt, als ich im Meer baden war, passte er auf meine Sachen auf und mehrmals fragten mich Balinesen, ob es mein Hund sei. Als ob Pogi es ahnte, dass meine Tour bald endete, verließ er mich auf den letzten Metern auch wieder. Darüber war ich ehrlich gesagt erleichtert, denn während der ganzen Zeit mit ihm malte ich mir immer aus, wie es wohl für ihn sein wird wenn sich unsere Wege wieder trennen. 

Am diesem Tag begegnete ich auch einer herzlichen, älteren Dame namens Nymon am Strand, sie bot mir eine Massage an und ich vereinbarte einen Termin mit Ihr am nächsten Tag. Ich freute mich sehr darauf. 

Als ich an diesem Nachmittag in einer dörflichen Gegend in Anbaufeldern von verschiedenem Gemüse und Reis einen Feldweg entlang lief, kam ein sehr alter Mann mit einem Fahrrad winkend an mir vorbei gefahren, da Pogi ihn anbellte, stieg er ab und suchte ein Gespräch mit mir, auch er war sehr herzlich, lief nun den Feldweg mit mir entlang und schob sein Rad. Er kam gerade vom Feld und wollte nun heimfahren. Schade, dass er kaum englisch sprach, zu gerne hätte ich ihm noch so viele Fragen gestellt. Als wir an der nächsten Kreuzung ankamen, verabschiedeten wir uns und er schwang sich wieder auf sein Rad und radelte weiter, ganz langsam ganz gemütlich. Bali heißt für mich auch entschleunigen, Ruhe finden. Selbst im Straßenverkehr stellte ich langsam fest, dass obwohl er mir anfangs sehr hektisch vorkam, die Balinesen auch da Ruhe bewahren und gegenseitig Rücksicht nehmen. Ich dachte mir oft, wie soll man hier je auf diese Straße rauffahren bei diesem Verkehr und keine sichtbare Lücke. Die Antwort ist: einfach rauffahren, der Verkehr lässt dich rein und wartet… Oder, wie soll ich hier jemals über diese Kreuzung kommen, keine Ampel, keine sichtbare Vorfahrtsstraße? Der Verkehr so dicht, das man keinen Asphalt mehr sieht. Antwort: Geduld, irgendwann ist der Weg frei und der Rest wartet geduldig und ENTSPANNT auf dich. Ja, von dieser Gelassenheit kann man sich schon etwas abschauen…

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